Bindungsanalyse nach Jenö Raffai
Die Bindungsanalyse ist eine Möglichkeit, die Beziehung zwischen Mutter/Vater und Kind bewusst zu stärken – und dies zu einem Zeitpunkt, wo das Baby noch über die Nabelschnur mit seiner Mama verbunden ist. Die vorgeburtliche fördernde Kontaktaufnahme zum Baby wirkt sich nachhaltig auf die Entwicklung des Kindes aus.
Immer mehr Forschungsergebnisse zu den prae- und perinatalen (vorgeburtliche und rund um die Geburt) Themen unterstreichen die Wichtigkeit, sich mit dieser Zeit zu beschäftigen. Laufend neue Untersuchungen bestätigen welche Zusammenhänge es zwischen dem vorgeburtlichen Leben und Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, sowie Problemen in der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes gibt.
Unser gesamtes Leben ist beeinflusst von dieser sehr frühen Zeit, da wir in dieser nonsprachlichen Ära unsere persönlichen Muster für unser Kommunikationssystem entwickeln. Und Kommunizieren meint nicht in erster Linie unsere sprachlichen Qualitäten, sondern unser Potential, auf neue Erfahrungen mit Veränderung zu reagieren - eine Art Lebensmuster!
Zum Beispiel machen wir alle sehr früh in unserem Leben die Erfahrung, ob für uns bedingungslos Raum da ist, der uns willkommen heißt oder ob es Vorbehalte, „gemischte Gefühle“, ja sogar Schock über unser Kommen gibt.
Diese Erfahrungen werden zu diesem Zeitpunkt (in etwa 2 Wochen nach der Befruchtung, was dem Beginn der 5. Schwangerschaftswoche entspricht!) im Zellgedächtnis gespeichert. Sie beeinflussen unser weiteres Wachstum ebenso, wie unsere Wahrnehmung für später, einen sicheren und stimmigen Platz im Leben zu haben.
Das Zellgedächtnis färbt unsere persönliche Sicht, sodass wir auch später – wenn wir geboren sind - mit demselben Muster unbewusst „antworten“, auch wenn wir nicht mehr in derselben Situation sind, in der sich dieses Muster gebildet hat. Um auf das oben zitierte Beispiel zurückzukommen, wäre es möglich, dass Menschen, die im Schock erkannt worden sind, nur ungern von sich aus Kontakt zu Fremden aufnehmen, sich immer fehl am Platz fühlen und meist ängstlich sind, wie sie „ankommen“. Andere wiederum, die herzlichst gewollt waren, entwickeln sich zu kommunikativen, stets offenen Typen, die sich ihrer sicher sind.
Die pädagogische Begleitung unserer Eltern oder anderer Bezugspersonen (Großeltern, Kindergarten, Schule, Freundeskreis, etc.) kann diese Muster verstärken oder auch relativieren. Je nachdem wie diese Bezugspersonen selbst in ihren Mustern verhaftet sind.
Ein Beispiel aus der nachgeburtlichen Therapie zeigt auf: Einer Mutter geht ihr klammerndes Kind wahnsinnig auf die Nerven und sie weist es brüsk von sich, eine andere Mutter fühlt sich bestätigt, dass sie ihr klammerndes Kind immer retten muss und trägt es dauernd herum. Eine andere Mutter erkennt in ihrem klammernden Kind die Not, sich nicht frei und selbstständig weg zu bewegen, also eigenständig und sicher zu sein und wird es empathisch unterstützen, selbstbestimmt eigene Ideen zu haben und eigene Wege zu gehen.
Nur selten erfahren Neugeborene Verständnis und Mitgefühl, weil keiner hinter Baby's asymmetrischer Lage, seinen Saug- und Schluckproblemen, seinem Weinen, seinen Koliken traumatische Ereignisse während der Schwangerschaft oder Geburt vermutet.
Die in unserer unbewussten Erinnerung aufbewahrten Erfahrungen aus der präverbalen Zeit tauchen in Phantasien, Träumen, Zeichnungen und sonstigen Werken und in Therapien, die Zugang zu dieser Zeit finden, wieder auf.
Ebenso selten finden werdende Mütter Gehör, wenn sich mit dem wachsenden Bauch auch vieles mit einem selbst ändert. Sorgen und Ängste bezüglich der Mutterschaft und der neuen Struktur in Partnerschaft und Familie sind Teil der Veränderung und wandeln sich in Freude und Gelassenheit, wenn alles seinen Platz/seine Anerkennung erhält.
In Zeiten von künstlicher Befruchtung, hoher Abtreibungsrate, intensiver Praenataldiagnostik und Wunschkaiserschnitt geschieht es mehr und mehr, dass das Wunder der Menschwerdung als planbare oder ungeplante Aktion oder als kostbar, filigraner Schatz gesehen wird ...
Mit der Bindungsanalyse ist eine wunderbare Möglichkeit geschaffen, mehr Bewusstheit für persönliche Muster zu erreichen und dadurch wird Freiraum geschaffen, sein Kind von Anfang an auf liebevolle Weise unterstützend zu begleiten.
Die Sitzungen sind Einzeltherapien und finden wöchentlich (bzw. 14 tägig) statt. Sie können ab dem Zeitpunkt des positiven Schwangerschaftstests besucht werden. Jede Session ist eine Mischung aus Gespräch, Selbstwahrnehmung und kleinen Übungen und dauert 45 Minuten.